Indien ist so groß, so vielfältig und zugleich so einmalig, dass es manchmal auch als „Subkontinent“ bezeichnet wird, was weder ganz falsch noch ganz richtig ist, wie wir unten erklären. Blickt man auf die Landkarte, fällt Indiens besondere geographische Lage ins Auge: Wie ein gigantisches Dreieck teilt es den Indischen Ozean in zwei Nebenmeere – das Arabische Meer im Westen und den Golf von Bengalen im Osten. In den vergangenen Jahrhunderten brachte diese Lage an den wichtigen Seehandelsrouten einige strategische Vorteile mit sich. So wertvoll war das Land für die Kolonialmacht Großbritannien, dass Indien erst 1947 in die Unabhängigkeit entlassen wurde.

Indischer Subkontinent

Der eigentliche Grund, warum vom Indischen Subkontinent gesprochen wird, liegt tief in der Erdkruste verborgen und bereitet den Bewohnern Südasiens eher Sorgen als Freude: Der Subkontinent ist eine riesige Landmasse, die vor Millionen von Jahren noch als Insel von Meer umgeben war, seither aber unablässig nach Norden gewandert ist. Schließlich traf die Indische Erdplatte auf die viel größere Eurasische Kontinentalplatte und warf in dieser Kontaktzone das höchste Gebirge der Welt, das Himalaya, auf. Die unterirdischen Spannungen in dieser Region sind so gewaltig, dass kräftige Erdbeben die Folge sind, von denen Indien, aber noch stärker Nepal und Afghanistan betroffen sind.

Zu dem Indischen Subkontinent zählen nach dieser Definition auch Nepal, Bangladesch, Sri Lanka und Teile Pakistans. Oft wird der Begriff aber ganz einfach als Synonym für Indien gebraucht

Der Dekkan

Die bei Weitem größte landschaftliche Formation innerhalb Indiens ist der Dekkan. Er prägt fast die gesamte Mitte und den Süden des Landes, etwa südlich des 25. Breitengrads, und unterteilt sich in ein südlich gelegenes Plateau und einen stärker gegliederten Norden. Große Teile des Dekkans liegen in mehr als 500 Meter Höhe und sind mit fruchtbaren Böden bedeckt, die die Landwirtschaft begünstigen.

Auch hier ist die Landschaft aus geologischer Sicht höchst spannend: Der Dekkan ist großflächig mit einer mächtigen vulkanischen Gesteinsschicht bedeckt. Entstanden ist diese Basaltdecke vor etwa 66 Millionen Jahren und könnte nach Ansicht mancher Forscher am Aussterben des Dinosaurier mitgewirkt haben. Die seinerzeit ausgestoßenen Massen an dünnflüssiger Lava und Asche müssen auf jeden Fall gigantisch gewesen sein.

Luftbild vom Gangesdelta mit seinen zahlreichen Flussarmen
Gangesdelta mit Indien und Bangladesch – Quelle: NASA/gemeinfrei

Die Gangesebene

Die fruchtbarsten indischen Regionen liegen im Norden und Nordosten des Landes. Dort haben der Ganges und seine Nebenflüsse eine breite Schwemmlandebene aufgespült. In dieser Ebene liegen wichtige Zentren des indischen Reisanbaus, und die Siedlungsdichte ist besonders hoch. Indien ist die zweitgrößte Reisanbau-Nation der Welt und wird nur noch von China übertroffen. Der weitaus größte Anteil davon wird im Land selbst verbraucht und dient der Bevölkerung als bezahlbares Grundnahrungsmittel. Allerdings ist über die Hälfte der indischen Anbaufläche nicht von der Flussbewässerung, sondern vom Regenfeldbau abhängig, für den wiederum der jährlich wiederkehrende Monsunregen entscheidend ist.

Im Nordosten bilden Ganges, Brahmaputra und andere Flüsse das so genannte Gangesdelta. Dieses größte Flussdelta der Welt befindet sich allerdings zum größeren Teil im Nachbarland Bangladesch.

Gebirge und Wüste

Im Norden und Nordwesten steigt der Indische Subkontinent bis in Höhen über 8000 Meter auf. Hier verläuft die Bergkette des Himalaya und seiner Ausläufer. Nicht nur landschaftlich herausragend, sondern vor allem auch politisch brisant ist der Kaschmir im Nordwesten. Dieses schwer zugängliche Bergterritorium wird zugleich von Indien, Pakistan und China beansprucht.

Weniger bekannt ist, dass Indien nicht nur fruchtbare Zonen kennt, sondern auch eine ausgedehnte Wüste. Die Wüste Thar erstreckt sich vorwiegend im Bundesstaat Rajasthan und trägt im westlich angrenzenden Pakistan den Namen Cholistan. Insgesamt misst die Thar mehr als 250.000 Quadratkilometer und ist weitgehend vegetationslos. Die traditionelle nomadische Viehzucht wurde in jüngerer Zeit ergänzt durch eine landwirtschaftliche Nutzung in speziellen Bewässerungsgebieten.

Die Inseln

Die größte Insel vor der indischen Küste ist, bildet den eigenständigen Staat Sri Lanka – sehr zum Leidwesen der dortigen Separatisten. Zum indischen Territorium zählen dagegen die Inselgruppen der Lakkadiven (im Arabischen Meer) sowie die Andamanen und Nikobaren im Golf von Bengalen. Die Andamanen sind teilweise touristisch erschlossen, werden aber auch von indigener Bevölkerung bewohnt. In den Medien erlangten vor allem die Sentinelesen eine gewisse Berühmtheit, weil diese Gruppe jeden Kontakt zur „Außenwelt“ ablehnt und Eindringlinge mit Gewalt vertreibt.

Der Subkontinent