Die größten Naturgefahren in Indien hängen ursächlich mit dem komplexen Wettersystem zusammen, das Monsun genannt wird. Der jahreszeitliche Verlauf und die geographische Position dieser Luftzirkulation entscheidet im Wesentlichen darüber, wo, wann und in welcher Intensität es in Indien bzw. Südostasien regnet. Nimmt der Monsun den gewünschten Verlauf, werden die Ernten gut – verschiebt sich die Zirkulation in der einen oder anderen Weise, drohen Überschwemmungen oder auch Dürren.

Was ist der Monsun?

Der Monsunwind über Indien entsteht, wenn sich die Luft im Sommer über der Landmasse sehr stark aufheizt. Die heiße und somit leichte Luft steigt nach oben, sodass gleichzeitig in Bodennähe neue Luft nachströmen kann. Da die nachströmende Luft vom Indischen Ozean kommt, bringt sie deutlich mehr Feuchtigkeit mit. Diese feuchte Luft beginnt zu zirkulieren, steigt an Gebirgen auf und regnet dort ab. Spätestens im Vorfeld des Himalayas setzt der bekannte „Monsunregen“ ein. In der Regenzeit zwischen April und Oktober können mehrere Tausend Liter Regen pro Quadratmeter fallen – das ist ein Vielfaches der in Deutschland üblichen Menge.

Zu viel Regen (oder zu wenig)

Das Monsun-Windsystem, das zu den so genannten Passatwinden zählt, ist von vielen Klimafaktoren abhängig. Wichtig ist vor allem die großräumige Verteilung von warmen und kalten Wassermassen in den Ozeanen. Bei Klimaphänomenen wie El Niño oder La Niña verändern sich die Temperaturverhältnisse und stören indirekt den normalen Ablauf des Monsuns. Als Folge kann der Regen stärker ausfallen als gewöhnlich – oder ganz ausbleiben. Es kommt zu Überschwemmungen oder Dürren.

Die Bevölkerung Indiens ist an diesen (für uns Europäer) dramatisch erscheinenden Wechsel der Jahreszeiten angepasst. In gewissem Umfang sind Überschwemmungen unvermeidlich, bringen der Landwirtschaft die dringend benötigten Niederschläge und gehören zum gewohnten Bild selbst in indischen Großstädten. Aber wenn der Regen gar nicht aufhören will, kann die Situation eskalieren: Die Menschen verlieren ihre Häuser, ihre Ernte – und im schlimmsten Fall ihr Leben.

Luftbild von einem Zyklon, der sich der indischen Küste nähert
Zyklon über dem Golf von Bengalen (1999) – Quelle: gemeinfrei

Warum entstehen Wirbelstürme?

Wirbelstürme werden durch einen ganz ähnlichen Mechanismus in Gang gesetzt wie der Monsun – und beide Wetterphänomene fallen fast in die selbe Jahreszeit. Sie entstehen aber nicht über Landmassen, sondern über dem Meer. Die über dem Indischen Ozean auftretenden Wirbelstürme tragen die regionale Bezeichnung „Zyklon“.

Kennzeichnend für Zyklone – wie für alle Wirbelstürme – ist eine Drehrichtung, die durch die Erdrotation ausgelöst wird. Während im „Auge“ des Sturm Windstille herrscht, können in anderen Bereichen extreme Windgeschwindigkeiten weit über 200 Stundenkilometer erreicht werden. Trifft ein solcher Sturm auf Land, schwächt er sich in der Regel ab, kann aber trotzdem ein erhebliches Zerstörungspotenzial behalten.

Infolge der globalen Klimaerwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Ozeane stellenweise stark aufheizen. Je wärmer das Wasser ist, desto mehr Energie wird dem Zyklon zugeführt – und desto verheerender kann seine Auswirkung für die Menschen sein. Auf diese Weise verschärft der Klimawandel die Lebensbedingungen auch auf dem Indischen Subkontinent. Ein Zyklon namens „Amphan“ erreichte im Mai 2020 Windgeschwindigkeiten von 270 Stundenkilometern und verursachte Schäden in Höhe von geschätzten 13,7 Milliarden US-Dollar. Der Zyklon „Nargis“ forderte 2008 im indischen Nachbarland Myanmar 130.000 Todesopfer. Schuld an dieser katastrophalen Opferzahl waren vor allem die Überschwemmungen, die der Wirbelsturm in einer Flussmündung anrichtete.

Überschwemmungen und Wirbelstürme